Die erste Antoniuskirche

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Die erste Papenburger Antoniuskirche wurde 1677 fertiggestellt, und 1680 geweiht. Sie hatte ihrem Standort auf dem heutigen Parkplatz hinter dem CEKA-Gebäude. Auszubildende des Katasteramts in Papenburg haben am 6. Juni 2018 den Standort der Kirche mit Hilfe einer Karte des Urkatasters eingemessen, und mit Vermessungspunkten auf dem Boden markiert.
Zusätzlich soll eine Informationstafel in der Nähe der Bodenmarkierungen angebracht werden.

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In den Anfangszeiten während des grausamen 30jährigen Krieges (1618-1648) mit Gründung Papenburgs als neuzeitliche Siedlung (1631) wandte man sich dort für Gottesdienste, Taufen, Heiraten und Beerdigungen an die Pfarre St. Antonius, Aschendorf. Dies war mit einem Riesenaufwand verbunden, mit ewig langen Fußgängen zur Kirche, mit großem Umstand für jede Form der kirchlichen Regelung im Menschenleben. Dabei gab es sehr viel zu regeln. Alle Lebensbereiche waren in Kirchliches eingebunden. Man fühlte sich als ferner Außenposten jener Pfarre, als sehr fernen.

Zeitgenössische Darstellung der ersten Antoniuskirche aus einer Landkarte aus dem 17. Jahrhundert

Die auch in Papenburg katastrophal wütende Pestepidemie (1666) machte dort die Anlegung eines eigenen Friedhofs nötig. Aber erst mit der Einweihung einer eigenen Kirche unter dem Patronat des St. Antonius durch die Mönche des Klosters Aschendorf (1680) fühlte man sich in Papenburg in einer nun auch von der kirchlichen Infrastruktur vollwertigen Siedlung und trug freiwillig die materielle Versorgung des Geistlichen. In einer Zeit tiefer Frömmigkeit sah man sch erst mit der kirchlichen Ausstattung an seinem Wohnplatz „vollständig“.

Mit etwa 11 X 32 m = 352 qm Innenfläche der Kirche konnten dort erfahrungsgemäß max. etwa 280 Menschen in einem Gottesdienst Platz finden.

Die Zahl der Wohnstellen (Plaatzen) in Papenburg nahm, nach den Maßstäben der Zeit und auf der Grundlage der Untersuchungen der Forschungsgruppe kometenhaft zu, stieg von 11 (1660) auf 36 (1700), um sich bis 1750 auf bemerkenswerte 138 zu erhöhen. Da auf einer Plaatze z. T. mehrere Familien lebten, war die Zahl der Familienhaushalte deutlich höher als die der Plaatzen.

In der Registeraufstellung (Status Animarum 1749/50) bestanden in Papenburg der Zeit bei 138 Wohnplätzen (Plaatzen) 210 Haushaltungen mit über 1270 Einwohnern.

Die alten Kirche St. Antonius war bei ihrem Bau in ihrer Größe auf Bedarf ausgelegt gewesen. Bereits kurz nach 1700 war die Kirche bei jedem Gottesdienst hoffnungslos überfüllt: Papenburg wuchs weiter. Noch genähert 200 Jahre trug man sich mit dem Ärgernis der hoffnungslos überfüllten Kirche. In jeden Jahreszeit standen die Menschen bis außerhalb des Gotteshauses. Die Geduld der Menschen wurde hart geprüft.

Papenburg wuchs und wuchs durch seine überaus günstigen Ressourcen zur großen Seefahrerstadt.

Den Platz der Vorläuferkirche von St. Antonius wieder sichtbar zu machen fördert einen Teil der Lebensrealität unserer Altvorderen zu Tage. Mit der Kirche verbanden sich über 8-10 Generationen alle Gefühle zwischen Taufe, Heirat, Tod. Dort sind unendlich viele Freudentränen doch auch genauso viele bittere Tränen um den Tod geliebter Menschen vergossen worden.

Diesen zentralen Ort unsrer Stadtgeschichte deutlich zu machen, einen Augenblick inne zu halten und an die zu denken, denen wir unser Lebens verdanken und auf der deren Schultern wir stehen:

Das ist das Anliegen der Forschungsgruppe. Dies war nur möglich durch die gelungene Kooperation mit der Leitung des Katasteramtes, den Ämtern und der Kultur der Stadt. Dafür danken wir allen sehr an dieser Stelle: Auch dadurch zeichnet sich Papenburg aus.

Der Stadtort der alten Kirche sollte durch Pflastermarkierung dauerhaft erkennbar sein.

Aktueller Projektstand:

Zur Zeit arbeiten wir an einer möglichst originalgetreuen 3D-Rekonstruktion der alten Kirche. Als Grundlage dienen Fragmente alter Bauzeichnungen, die noch vorhanden sind.

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Hier sieht man ein vorläufiges 3D-Modell, das in Kürze aufgrund von neu gewonnenen Erkenntnissen überarbeitet wird. 

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