Objekt des Monats

Die Sammlung des Heimatmuseums Papenburg ist in seiner Gesamtheit leider nicht für die Allgemeinheit zugänglich. EinTeil der Sammlung wird zur Zeit in der alten Drostei gezeigt.

Daher präsentieren wir hier ausgewählte interessante Objekte aus dem Fundus. Altes Bildmaterial von kompletten Sammlungen, die in früheren Zeiten im Heimatmuseum gezeigt wurden, finden Sie hier.

Das aktuelle Objekt des Monats haben wir vor einigen Tagen in einer verstaubten Kiste im Fundes des Heimatvereins entdeckt.

Nach mündlicher Überlieferung enthält diese Kiste u.a. Steine, die bei Bauarbeiten zu den Hotelbauten und dem Bau der Stadthalle auf dem ehemaligen Burggelände gefunden wurden. Tatsächlich sind unter den Objekten Klosterformatsteine, die vom Alter her in die Zeit der Papenburg passen.

 

DER BAUSTOFF IN UNSERER REGION

Der Baustoff im germanischen Norden war vergängliches Holz, das nur unter Sauerstoffabschluss körperlich erhalten blieb.

Der römische Südwesten und Süden verwendete bereits gebrannten Baustoff, woher auch unser Wort Ziegel, lat. tegula, stammt. Der stand in der Tradition des mediterranen Südens und der Herleitung aus dem östlichen Mittelmeer und den frühen Kulturen des nahen Ostens.

Für unsere Vorfahren (etwa um 300 n. Chr.) erschien ein Haus aus Kunststeinen (Ziegeln) undenkbar. Entsprechend groß war der Kulturschock für einen Germanen, der sich zu der Zeit etwa einem römischen Händler anschloss und auf diesem Weg nach Xanten, Niederrhein, reiste.

Dies blieb weitgehend der Sachstand über die Zeit der Völkerwanderung (375-568 n. Chr.) bis ins Frühmittelalter (568-1000 n. Chr.).

Mit den Kriegen Karls gegen Sachsen und Friesen (772-804), dem fränkischen Einfluss und der beginnenden Christianisierung, wurde die nördliche Welt für die neue Technologie geöffnet: Wo Natursteine vorhanden waren (in den Mittelgebirgen) baute man aus natürlich vorhandenen Steinen. Diese galt aber auch jetzt eher nur sehr ausnahmsweise.

Selbst die gesellschaftlich wichtigsten Bauten, Kirchen, wurden weiterhin aus Holz errichtet. Dies bezog sich natürlich besonders für den küstennahen Norden, auf das Gebiet i.w. ohne Natursteine, die zum Hausbau ungeeignet waren. Holzkirchen wurden dort überhaupt erstmalig ab 800 errichtet.

Eine mengenmäßig deutliche Steigerung des Kirchenbaus verzögerte sich. Die Christianisierung zog sich zeitlich über etwa 9 Generationen hin. Die größere Bautätigkeit von Holzkirchen setzte ernsthaft erst um etwa 1000 ein. Für die Zeit um 1100 (und überhaupt im 11. Jh.) sind bislang erst etwa 50 Holzkirchen im nun christlichen Norden archäologisch nachweisbar.

Der wenig haltbare Baustoff störte. Er passte wenig in das Bild einer christlichen Beständigkeit, die auf Dauer angelegt war und ein Abbild des Göttlichen darstellen sollte.

Um 1150 ging man daran, im küstennahen Bereich Steinkirchen zu errichten. Im Ostteil Ostfriesland verwendete man Granitfindliche, die aber extrem schwer bearbeitbar waren und große Probleme beim Bau nach sich zogen (Grnitquaderkirchen).

In der Eifel, im Gebiet des Laacher Sees, wurden Natursteine vulkanischen Ursprungs gewonnen. Diese konnten im bergfeuchten Zustand aus dem Berg gesägt werden und erhielten bei Austrocknung deutlich größere Festigkeit.

Sie wurden über den Rhein zur Nordsee und küstenparallel entlang der südlichen Nordsee nach Ostfriesland, z. T. bis nach Dänemark verschifft.

Die leichte Zugänglichkeit der Küstenorte erklärt die dortige Verwendung von Tuffstein für den Kirchenbau. Allerdings war er auf Dauer der Verwitterung im rauen Klima nicht gewachsen.

Die Frage nach einem gut und leicht bearbeitbaren und zugleich haltbaren Baustoff war nicht beantwortet.

Tonreiches Material („Klei“), war küstennah und entlang der Flussaue der Ems, in der Küsten und der Flussmarsch reichlich vorhanden. Er bildete den Rohstoff für den Brand von Backsteinen. Allerdings setzte sich der Backstein erst sehr zögerlich durch. Um 1180 wurde die Kirche in Hage daraus erbaut. Diese erscheint als der bislang älteste Kirchenbau in der Region aus diesen neuen Werkstoff.

Durch dendrochronologische Untersuchungen erhaltener Dachstühle ist nachzuweisen, dass sehr frühe Bachsteinkirchen um bereits um 1200 errichtet wurden, aber das sind eher frühe Ausnahmen.

Der eigentlich Boom der Verwendung von Backsteinen setzte erst um 1230 und später ein. Befördert wurde die neue Technologie durch Mönchsorden, die nach und nach Ostfriesland mit einem Netz aus mehr als etwa 30 Klöstern überzogen.

Backsteine wurden ursprünglich in unsrer Region nur für den Kirchenbau verwendete, nun auch für Profanbauten im Bereich der Klöster und frühestens um die Zeit auch zur Errichtung früher „Herrenhäuser“.

Die Größe der Backsteine entsprach diesem so genannten Klosterformat, das wenig um die Maße Höhe =8-9 cm, Breite =14 cm, Länge =26-29 cm variierte.

Eine Systematik der Abmessungen in zeitlicher oder örtlicher Entwicklung konnte bei zahlreichen Untersuchungen zu dieser Frage bislang nicht festgestellt werden: Jede Bauhütte hatte ihr eigenen, etwas abweichende Format.

Wir entdeckten allerdings eine deutlich erhöhte Sinterung durch höhere Brenntemperaturen (ab etwa 1300), die einzelnen Backsteine eine wie „gezuckerte“ Oberfläche verliehen, einige Steine hatten dadurch wie „glasiert“ Außenhaut.

Solche Backsteine wurden (vereinzelt) bis etwa 1480 hergestellt. Klosterformatsteine kamen nach 1572/1600 außer Nutzung.

Neben Kirchen wurden an etwa 1250/1300 auch „Herrenhäuser“ aus Backsteinen errichtet. Bauernhöfe erbaute man ausschließlich aus Fachwerk ohne Steine.

Ab etwa 1280 und explosionsartig nach 1300 wurden Turmburgen aus Backsteinen erbaut (Typ Bunderhee).

Die Papenburg, als Turmburg und die dazu gehörigen Herren-, Verwaltungs- und Wirtschaftshäuser wurden aus Klosterformatsteinen errichtet.

(Team Heimatverein Papenburg)

 

 

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