Objekt des Monats (Archiv)

Unsere erstes eindrucksvolles Objekt ist das Wappen von Dietrich von Velen.

Das hier gezeigte Wappen ist im Besitz des Heimatvereins, ist aus Eichenholz geschnitzt,  und hat eine Größe von 33 x 59 x 2 cm.

Im Detail:

Das Wappen verbindet sich mit Dietrich von Velen (*08.01.1591 Meppen, +10.09.1657), Sohn des Hermann von Velen und der Margarete, geb. von Raesfeld. Dietrich war das achte von neun Kindern des Ehepaars.

Im Geist des Katholizismus erzogen, wie schon seine Vorfahren, ganz auf der Seite und im Geist des Bischofs von Münster, wie bereits sein Vater, erbte er das väterliche Drostenamt des Emslandes, war damit etwas wie ein „bischöflicher Verwalter der Region Emsland.“

Er war erheblich engagiert in der so genannten Gegenreformation, der (z. T. gewaltsamen) Rückführung des Emslandes zum Katholizismus (i. w. 1612-1618), was ihm die Feindschaft aller Reformierten eintrug.

Die allgemeine politische und religiöse Aufgeladenheit der Zeit entlud sich mit dem 30jährigen Krieg (1618-1648). Dessen erste Phase (1618-1630) sah den Kaiser und das Katholische so sehr als Sieger, dass sich Dietrich von Velen, im Einklang mit dem Katholischen, dem Bischof von Münster und dem Kaiserlichen, keine ernsthaften Sorgen über den Kriegsverlauf machte, die bischöfliche und kaiserliche Macht als unerschütterlich ansah: Der Krieg schien beendet und klar gewonnen.

In dieser Sicht kaufte er die verfallene, mittelalterliche Papenburg von Friedrich, Freiherr von Schwarzenberg und wurde vom Bischof von Münster mit Burg und Land belehnt, (02.12.1631).

Unverzüglich an der Arbeit, die Grundlagen einer Fehnkolonie zu schaffen, geriet seine Arbeit in eine politische Großwetterlage, die die Machtverhältnisse in Mitteleuropa vollkommen änderte.

Gustav Adolph, der König von Schweden, landete mit einer Armee auf Usedom. Er sah sich als Retter der Reformation, gleichzeitig als Macht im Norden, die ihren Anspruch geltend machte.

Hatte man sich als Katholik damit beruhigt, dass bislang nichts den kaiserlichen Kräften standgehalten hatte, so zeigten sich die schwedischen Truppen bald als äußerst gut ausgebildet, ausgerüstet und gut geführt.

Nach der Landung erhoben sich auch die zuvor nachhaltig besiegten evangelischen Fürsten Norddeutschlands. Dieser Koalition war selbst die kaiserliche Macht mittelfristig kaum gewachsen. Das nördliche Mitteleuropa geriet erneut unter die Militärmacht der Evangelischen.

Die Lage stabilisierte sich erst etwas mit der Schlacht von Lützen (15.11.1632), die mit großen Verlusten aufseiten der Kaiserlichen, aber auch der Schweden endete und in der Gustav Adolph, der Schwedenkönig, den Tod fand.

Was folgte war eine Regionalisierung des Krieges mit gebietsweise erheblich wechselnden militärischen Machtverhältnissen, mit regionalen Kriegszügen und Militärvorstößen, die sich mit wechselnden Gewinnern über Jahre zogen und das Land, regional unterschiedlich, insgesamt katastrophal zerstörten.

Für Dietrich von Velen spitzte sich die Lage im Emsland dramatisch zu: Hatten die Schweden bei Lützen gesiegt (November 1632), schickte sich ein Heer des mit den Schweden koalierenden Freiherrn Dodo von Knyphausen an, das Emsland zu erobern, um sich mit anderen Verbündeten des Stifts Münster zu bemächtigen (1633).

Dietrich musste aus Meppen fliehen, doch wohin?

Als Zuflucht bot sich die Sparrenburg bei Bielefeld an, die von seinem Schwager, Matthias von Wendt, befehligt wurde.

Man teilte ihm mit, er sei willkommen, doch man befürchte, der Feind könne den Unterschlupf als Vorwand benutzen, die Sparrenburg durch Schweden und Verbündete einzuverleiben. Man drängte Dietrich sich mit dem Gegner, Dodo von Knyphausen zu vergleichen. Mit diesem Freiherrn Dodo von Inn- und Knyphausen traf Dietrich geradezu auf seinen ärgsten Erzfeind:

Freiherr Dodo von Knyphausen, (*1583, +1636) hatte sich vollkommen der antikaiserlichen Sache fest verschrieben. Er brachte es als Truppen– und Söldnerführer wie Kriegsunternehmer (will sagen als kommerzieller Kriegsorganisator) in schwedischen Diensten zu hohen Ehren der antikaiserlichen Kriegspartei, nahm auch selber an verschiedenen Kriegsunternehmen teil, war u. a. am schwedischen Erfolg in der Schlacht bei Lützen selbst beteiligt (1632). Niemand konnte ihm Einsatz und Mut abstreiten.

Nach Lützen wurde Dodo vom schwedischen Kanzler, im Namen des Schwedenkönigs, mit dem Emsland belehnt, für einen Kaiserlichen ein unerträglicher Übergriff der Feindpartei.

Aufgrund seiner unzweifelhaft hohen organisatorischen Fähigkeiten und Grundsatztreue wurde Dodos Herrschaft im Emsland, inmitten weit schlimmerer Kriegsführung im Reich, geradezu noch als erträglich wahrgenommen.

Und genau mit diesem Ausbund des Antikaiserlichen und -katholischen sollte sich Dietrich vergleichen? Dodo ließ sich die Übereinkunft mit Dietrich hoch vergolden: Er zahlte 2.200 Reichsthaler in die Kriegskasse der Schweden ein, doch blieb in der Sparrenburg „unter Hausarrest“ oder de facto als Gefangener. Es folgten für ihn unerquickliche Tage und Wochen, die sich quälend lang zu Monaten reihten…

Feldmarschall Dodo Freiherr zu Inn- und Knyphausen machte sich mit einer Reitertruppe auf den Weg zur Eroberung von Osnabrück, als ihn im Raum von Haselünne kaiserliche Reiter in ein Gefecht verwickelten. Eine Kugel riss Dodo eine tödlich tiefe Wunde in den Hinterkopf (01.05.1636).

Die Kriegslage hatte sich in regionale Kriegszüge aufgelöst. Dies waren Hoffnungen für alle die, die hoffen wollten. Dabei zog sich der Krieg weiter, zunehmend inform einer unerträglich langen Pattsituation vernichtend in die Länge.

Regional freilich hatte sich das Blatt gewendet: Der kaiserliche Feldmarschall Alexander von Velen stieß mit Truppen in das Emsland vor. Seinem Vetter hatte sich Dietrich von Velen angeschlossen.

Sie schlichen sich nachts bis Meppen vor. Die Stadt war von Dodo von Knyphausen weiter zur Festung ausgebaut.

Ein Trupp durchwatete den Wassergraben bei voller Dunkelheit, angeführt von Punder Jürgen, einem hünenhaften Mann. Hatte ein Wasserkräuseln sie verraten? Von der Mauer leuchtete die Wache: „Wer da?“ –

„Gut Freund“, war die Antwort. „Ich fange Fische, sollst auch welche haben.“

Der Überraschungsstreich gelang. Der Trupp machte die Wachen nieder, öffnete ein Tür. Die Truppen stürmten Meppen. Kurz war der Kampf am Marktplatz.

Zurück im Emsland nach mehr als fünf Jahren, erneut zurück als Drost im Emsland, als Herr der Papenburg? Dietrich von Velen fühlte sich befreit, wie aufgewacht vom Alptraum.

Der Neubeginn: Diesem Buch vertraute er die Gedanken an, seine Fahrt hinüber zur Papenburg. Was er dort vorfand, war gerade nicht ermutigend, war eigentlich niederschmetternd, die vielfachen Übergriffe durch Ostfriesen auf seinen Heuermann, Viehdiebstahl, persönliche Bedrohung… Die Schleusen ausgebrochen, zerstört, versenkt…

Aber: Er war zurück! Er würde neu beginnen. Hatte ja damals, 1632/33, mitten im halben Anfang all das beenden müssen, bevor der Anfang überhaupt in Gang kam. Er hatte überlebt. Er würde neu beginnen.

Nein, sein Wappen und das derer von Velen schien ihm kaum angemessen: Drei beinlose Vögel in Reihe (Merlete)…

Wappen derer von Velen

Das Zeichen des Löwen als Wappentier schien ihm der Zeit nach angemessen, der Löwe, der zum Sprung ausholt. Genau den hatte er im Buch eingetragen, im Löwenbuch…

(Genau dies findet sich mit Löwenwappen jetzt in Osnabrück, im Staatsarchiv und gilt als Aufbruchzeichen).

 

Informieren Sie sich hier, wie dieses Wappen von uns mit innovativen Methoden kopiert, und vervollständigt wurde.